Bruno B.
Fiktiver Fall eines Feinschliff-Mitarbeiters
Herkunft
Berufskarriere
Das Grounding
RAV und weiter
Rosa und neuer Grund
Schluss
Magaziner (Logistiker), 59jährig, seit Juli 2002 ohne Erwerbsarbeit, virtuell-fiktiver Nutzniesser von Feinschliff.
Herkunft, Ursprung
1952 in Dallenwil, Obwalden, zweitjüngster von 5, Vater Italiener, Mechaniker bei Niederberger, Seilbahnbau, Mutter Teilzeiterin im Volg im Nachbarort. Bruno ist flugbegeistert
Stifti
Natürlich bei der Pilatus, ab 1968 als Geräte- und Flugzeugmechaniker. Was auch einen gut gezüchteten Töff mit sich brachte. Immer grössere Ausflüge in die Umgebung und Ferien wurden damit möglich.
Weitere Sprünge
So traf es sich, resp. traf es Bruno B. im September 74 an einem Donnerstagabend in Luzern, dass beim Flanieren am See, vor dem Hotel Schweizerhof einer vermeintlichen Touristin der Haarreif aus der Hand zu Boden fiel. Und vor die Füsse von Bruno B. rollte. Der hob ihn auf, errötete, versuchte zu fragen, wie... Schliesslich findet er die Augen seiner „Touristin“ im folgenden Frühling im Reusstal wieder, die Blicke versinken ineinander. Ein wunderbarer Sommer mit Susanna.
Ein eigenes Leben, Umzug nach Affoltern
Ein nächster Sommer wird noch wunderbarer. 1977 wird geheiratet, schon bald kommt eine Tochter zur Welt. In einem Zulieferbetrieb des Flughafens findet Bruno B. eine Stelle, die Familie zieht um in Richtung Zürich.
Berufskarriere
1983 erhält Bruno B. über einen Bekannten eine Stelle bei der SR Technics, dem Flugzeugunterhalt und Logistikbereich der Swissair – Bruno B. hat seine Traumstelle, arbeitet wieder im Flugbereich, wo er schon angefangen hatte.
Happy People
Wunderschöne Jahre für die Familie B. Feine Feste mit guten Freunden, Ferien in immer weiter entlegenen Orten sind möglich. Tochter Carola wird eine wunderbare junge Frau und findet eine vielversprechende Lehrstelle.
Grounding beruflich
Die Hunter-Strategie der Swissair funktionierte nicht (wie geplant), mit dem Ende des Jahrtausends wird es unruhig an Bruno B.s Arbeitsort. Eine Reorganisation folgt der anderen, ebenso wie die Vorgesetzten einander.
Stress auch für Bruno B.
Im Streit beleidigt er den Gruppenchef, bei der nächsten Reorganisation verliert er die Stelle anfangs 2002.
Grounding persönlich
Stress zuhause nach einigen arbeitslosen Wochen, plötzlich stören Bruno B. die Freunde seiner Tochter, er findet den Faden und das Gespräch zu seiner Frau nicht mehr. Er hütet vorübergehend die Kleinwohnung eines ferienabwesenden Freundes, kehrt jedoch nicht mehr zurück. Stattdessen trifft man Bruno B. viel am See oder am Vorderen Sternen.
RAV und weiter
Die Anmeldung bei der Regionalen Arbeitsvermittlung zementiert seine Verliererstimmung. Es folgen zwei Jahre ohne ein ernsthaftes Vorstellungsgespräch. Zur Überbrückung absolviert er einige Kurse. Nach dem RAV ist Bruno B. noch eine halbes Jahr auf Stellensuche, jedoch erfolglos. Absagen auf Absagen füllen den Briefkasten. Entweder ist er zu alt, zu teuer, überqualifiziert, oder es sind keine Gründe bekannt. Es bleibt Bruno B. nichts anderes übrig, als sich schweren Herzens bei der Sozialhilfe zu melden. Seine Sozialarbeiterin schickt ihn zu Feinschliff, die ihn beruflich abklären. Grundausbildung und die vielen Jahre Berufspraxis seien wunderbar, nur sein Alter sei halt für einen Wiedereinstieg hinderlich. Daran kann man nichts ändern! Bruno B. ist konsterniert und frustriert. Die Scheidung steigert seinen Durst übermässig, doch nur vorübergehend.
Das Dach fällt ihm zu Hause, in seiner neuen, spartanischen Sozialwohnung, schon auf den Kopf. Er wünscht sich dringend eine geregelte Tagesstruktur und Leute um sich. Er möchte arbeiten, gleich welche Art von Arbeit, gleich welcher Lohn. Hauptsache beschäftigt sein.
Feinschliff
Feinschliff nimmt Bruno B. im internen Teillohnprojekt zu 50% auf, wie jeden Neueinsteiger. Parallel dazu wird er einmal wöchentlich das von Feinschliff angebotene Bewerbungstraining besuchen.
Bruno B. fängt in der Schreinerei von Feinschliff an und erledigt dabei auch Aufträge für die Dienstleistungssparte "Rund ums Haus". Er fühlt sich nach und nach akzeptiert und sein Selbstwertgefühl steigt. Er ist wieder zufriedener. Sein Tag hat wieder einen strukturierten Inhalt. Jeden Dienstagnachmittag trifft er sich im Bewerbungstraining. Hier lernt er auch Rosa S. kennen. und noch 12 weitere TeilnehmerInnen. Alle der Anwesenden haben hier mit der Arbeitslosigkeit zu kämpfen. Anhand von Rollenspielen üben sie, sich bei einem Arbeitgeber vorzustellen. Jede Woche schreiben sie mit Unterstützung Bewerbungsbriefe. Sie diskutieren, geben sich gegenseitig Ratschläge. Sie lachen zusammen (manchmal muss auch jemand weinen), lassen den Frust raus, oder lernen auch mal von Fehlern der Anderen. Vor allem mit Rosa wird die Zusammenarbeit und der Austausch von Bruno B. immer intensiver.
Rosa S.
kam mit 32 Jahren aus Brasilien nach Basel. Sie lernte ihren Ex-Mann in einer Bar kennen und heiratete ihn kurz darauf. Sie lernte deutsch und putzte gelegentlich ein wenig in Privathaushalten, um das Einkommen ihres Mannes aufzubessern. Es folgte bald eine Tochter und Rosa widmete sich der Erziehung und führte den Haushalt. Die Ehe dauerte aber nicht sehr lange. Das Paar stritt immer mehr, so dass Rosa S. sich von ihrem Mann trennte und mit ihrem Kind in den Kanton Zürich zog. Auch Rosa S. musste den Weg zur Sozialhilfe einnehmen und die Hilfe des Sozialamtes beantragen. Schon bald waren die ersten Fortschritte erzielt sie konnte die Tochter in einem Hort anmelden. Rosa S. wurde an Feinschliff vermittelt. Auch sie wurde hier beruflich beraten.
Da Rosa S. keine Ausbildung hat und schon länger vom Arbeitsmarkt weg ist, fehlten ihr Zertifikate und aktuelle Arbeitszeugnisse. Sie wurde in ein Arbeits- und Qualifikationsprogramm im Bereich Reinigung angemeldet und besuchte 2x wöchentlich einen Deutsch-Kurs.
Rosa S. lernte im Programm, Büros und Wohnungen zu reinigen, sie besuchte einen Wetro-Kurs und ihre Deutschkenntnisse verbesserten sich wesentlich. Leider fand Rosa S. trotz intensiven im wöchentlichen Bewerbungstraining während den 6 Monaten keinen Job.
Hier lernt Rosa S. auch Bruno B. kennen und schätzen. Die Beiden treffen sich auch ausserhalb des Kurses – stärken und schätzen sich gegenseitig. Eines Tages stösst Bruno B. auf ein interessantes Inserat.
Bruno zeigt Rosa die Anzeige und verbindet dies in seiner Vorstellung schon mit einem Heiratsantrag. Rosa strahlt - sie bewerben sich zusammen als ein in Konkubinat lebendes Paar, welches bald heiraten wird. Die Glücksträhne von Rosa S. und Bruno B. dauert an. Sie werden zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Dieses wird im Bewerbungstraining noch kurz geübt. Die Gruppe wünscht viel Glück.
Der Liegenschaftsverwalter sieht, dass Bruno B. handwerkliches Geschick mitbringt. Auch beeindrucken ihn die Malerkenntnisse, die Bruno B. seit neustem in seinem Lebenslauf aufführt. Auch Rosa S. verfügt über ein sehr gutes Arbeitszeugnis, welches ihre schnelle und saubere Arbeitsweise beschreibt.
Schluss
Trotz den vielen Bewerbern erhalten gerade Bruno B. und Rosa S. die Chance, als Hauswarts-Ehepaar bei der Liegenschaft Zum Röslibrunnen II einzusteigen. Etwas Unterstützung und die nachdrückliche Refernz über einen alten Schulkontakt der Feinschliff-Coachingleiterin mag den Ausschlag beim Verwalter gegeben haben.
Sie ziehen zusammen und melden sich gemeinsam von der Sozialhilfe ab. Einige aus der Bewerbungsgruppe gehören zu den Hochzeitsgästen, welche im Morgengrauen noch beim Aufräumen helfen.
